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Baugeschichte

Vom Baubeginn bis zur Zerstörung

Nach einer Bauzeit von nur 5 Jahren wurde am 02. April 1905 das seinerzeit als Justizpalast bezeichnete Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Bauleiter war Bau- und Regierungsrat Hesse.
Seitdem konnten die Justizbehörden, die bis dahin in verschiedenen Gebäuden der Stadt untergebracht wurden, in einem Gebäude tätig werden.

 

Der Bauentwurf wurde im damaligen Ministerium der Öffentlichen Arbeit unter Leitung des Geheimen Baurats Paul Thoemer entwickelt. Das Gebäude selbst wurde im Stil der italienischen Renaissance - mit gotischen Motiven - errichtet. Der Öffentlichkeit der damaligen Zeit wurde das Haus als 'Palast der 300 Zimmer' präsentiert.
Die geplanten Baukosten betrugen allein für den Justizpalast 2,7 Millionen Mark. Zusammen mit dem angeschlossenen Untersuchungsgefängnis für 400 Gefangene und den gesamten Nebenanlagen kostete der Bau 3,6 Millionen Mark (ohne Grunderwerb, Bauleitung und innere Einrichtung).

Der Palast beinhaltete im Landgerichtsbereich u.a. einen Schwurgerichtssaal sowie je drei Straf- und Zivilkammersäle mit zugehörigen Nebenräumen.

Im Amtsgerichtsbereich existierten u.a. drei Schöffengerichtssäle, ebenfalls mit entsprechenden Nebenräumen. Hinzu kamen über 200 Geschäftszimmer, Beratungs- und Wartezimmer sowie Haftzellen.

Vom Kriegsende bis zur Wende 1989

Durch Artilleriebeschuss im April 1945 wurde das Gebäude schwer beschädigt. Dabei wurden der Nordflügel sowie der Mittelteil mit den beiden repräsentativen, 50m hohen Türmen und dem Haupteingang nahezu vollständig zerstört, während der Südflügel den Beschuss relativ unzerstört überstand.

Nach dem Krieg wurde die Fläche lediglich grob beräumt. Die Überreste des einstigen Prachtbaus bestimmten seitdem das Straßenbild an der Halberstädter Straße/ Ecke Leipziger Straße. Lediglich die zugemauerten Türbogen mit den Säulen in der Mitte und die noch erkennbaren hochragenden Flure und Räume ließen die prunkvolle Vergangenheit des Palastes noch erahnen.

Im unversehrt gebliebenen Gebäudeteil befanden sich zu dieser Zeit das Kreisgericht, das Bezirksgericht und die Staatsanwaltschaft Magdeburg, die Fläche des zerstörten Gebäudeteils wurde als Parkfläche genutzt.

Von 1989 bis heute

Nach der politischen Wende im Jahr 1989 wurde über einen kompletten Wiederaufbau nachgedacht. Diese Pläne wurden aus finanziellen Gründen allerdings nicht umgesetzt.

Man entschied sich für einen Neubau aus Glas und Beton, der direkt an den unzerstörten Südteil des historischen Gebäudes angeschlossen wurde und dem historischen Erscheinungsbild des Gebäudes nachempfunden ist. 2001/02 wurden insgesamt 17 moderne Sitzungssäle, Geschäfts-, Beratungs- und Warteräume, Archive, Vorführ- und Wartezellen nach und nach ihrer Bestimmung übergeben.

Die Baukosten betrugen über 45 Mio DM, der Wiederaufbau des gesamten Gebäudes in ursprünglicher Ansicht hätte - nach Schätzung von Experten - Mehrkosten in Höhe von  ca. 20 - 30 Mio. DM bedeutet. Seither prägt ein 20 Meter langer gläserner Eingangsbereich die Gebäudeansicht, welcher Altes und Neues miteinander verbindet.

Im Jahr 2016 begann die grundlegende Sanierung des Altbaus mit der Inspektion und Bestandsaufnahme von Restaurator:innen, die in mühseliger Kleinarbeit Schicht für Schicht der im Laufe der Jahre aufgebrachten Anstriche entfernten und so die ursprüngliche Farbgebung und Gestaltung von Wänden und Decken wieder sichtbar machten. Anschließend wurde der gesamte Altbau vollständig entkernt und nach den Vorgaben des Baudenkmalschutzes und den Ergebnissen der Restaurator:innen nach und nach restauriert.

Nach 4 Jahren Bauzeit fand die Sanierung im Jahr 2020 ihren Abschluss und die Belegschaft, die ihrer Arbeit während der Sanierung in einem Ausweichobjekt nachging, zog wieder zurück in den historischen Teil des Landgerichts Magdeburg, welcher nun wieder in seiner alten Pracht erstrahlt.